Der Steinbruch Höver (Grube Alemannia)

Der Steinbruch Höver wird regelmäßig von Mitgliedern der Fossilien AG zum Fossiliensammeln aufgesucht. Man erreicht ihn von Braunschweig aus über die A 2 Richtung Hannover, dann auf die A 7 Richtung Kassel. Abfahrt Hannover/Anderten auf die B 65 Richtung Misburg. An der nächsten Ampel nach links Richtung Höver abbiegen. Der Steinbruch liegt am Südrand der Ortschaft Höver und gehört zur Holcim AG.
Das Betreten der Grube ist nur mit Sammelgenehmigung möglich.

Die hier anstehenden Oberkreide-Sedimente werden für die Zementherstellung abgebaut.
Die stratigraphische Reichweite umfasst Sedimente des unteren Untercampaniums (Splingua / Go. quadrata-Zone) bis in das höchste Untercampanium (Go. q. gracilis / Bt. mucronata-Zone).

Die Oberkreide-Schichten liegen auf dem östlichen Anteil der Niedersachsen-Scholle, an die im Norden die Pompeckj-Scholle mit ihrer typischen Schreibkreide-Fazies, wie wir sie beispielsweise auf Rügen finden, angrenzt. Die Ablagerung der Sedimente des Camapaniums von Niedersachsen erfolgte küstennah auf einem flach nach Norden abfallenden Epikontinental-Schelf, das mit der borealen Paläo-Nordsee in Verbindung stand. Das Einfallen der Schichten in Höver steht in Zusammenhang mit dem Aufstieg des östlich gelegenen Lehrter Salzstocks, in dessen Westmulde die Grube Alemannia liegt.

 

Abb. 1: Die östliche Abbruchkante der Grube Alemannia im Sommer 2007

Die stratigrafische Gliederung der hier aufgeschlossenen Sedimente erfolgt mittels Ammoniten, Belemniten, irregulären Seeigeln und Inoceramen. Im unteren Untercampanium ist Gonioteuthis quadrata der häufigste Belemnit. Er ist aber bis in die mittlere Ec. conica / Ga. papillosa-Zone noch häufig zu finden. Im Mittelcampanium ist die große Belemnitella mucronata das häufigste Fossil.
Die häufigsten irregulären Seeigel des Untercampaniums sind Offaster, Galeola, große Echinocorys, Micraster und Cardiotaxis. Seltener zu finden sind Angehörige der Gattungen Conulus, Echinogalerus, Hagenowia, Diplodetus und Peroniaster.
Reguläre Seeigel wie Salenia und Cidaris sind nur selten zu finden.
Die Sedimente der Alemannia beinhalten verschiedene heteromorphe Ammoniten wie Scaphiten, Nostoceras junior, Pseudoxybeloceras phaleratum und die ersten, allerdings kleinen Patagiosites stobaei.


Hin und wieder werden auch Seelilien bzw. Fragmente von Seelilien gefunden. Darunter sind die Gattungen Bourgueticrinus, Austinocrinus und Gammarocrinites.
Funde von Steinkorallen umfassen die Gattungen Coelosmilia, Onchotrochus, Micrabacia und Parasmilia. Teilweise sind diese Korallen auf Seeigel-Coronen oder Belemniten-Rostren aufgewachsen. Von Oktokorallen sind in der Regel nur die verästelten Basen erhalten.
Die Schwammfauna der Alemannia ist überaus reichhaltig, denn im Campanium erlebten die Schwämme eine große Blütezeit. Bei Sammlern sehr begehrt sind die in der Aufsicht kreisrunden Sonnenuhrschwämme der Gattung Coeloptychium.
Häufig findet man isolierte Bruchstücke der kalkigen Wohnröhren oder auf Schalen aufgewachsene Wohnröhren von Röhrenwürmern (Serpulidae).
Relativ selten sind Brachiopoden wie Isocrania oder Discinisca (beides Inarticulata) oder verschiedene Gattungen der Articulata (Cretirhynchia, Orbirhynchia, Carneithyris, Kingena, Terebratulina etc.).


Zu den seltenen Fossilien der Grube gehören Überreste von Fischen, wie isolierte Haizähne, Zähne von Raubfischen der Obergattung Enchodus, Gaumen- oder Knackzähne, Wirbelkörper oder Schuppen. Letztere lassen sich wegen ihrer bräunlichen Farbe und ihrer glänzenden Oberfläche meist gut im Gelände entdecken.


Die seltensten Fossilien in Höver sind Zähne des langhalsigen Meeressauriers Elasmosaurus.

 

Abb. 2: Die vom Grundwasser überflutete Sohle der Grube Alemannia im Sommer 2007

Das Sediment dieses Steinbruchs besteht aus einer Wechsellagerung von hellgrauen, Dezimeter mächtigen Kalklagen und dünneren Mergellagen. Die Ursache für diese Kalk/Mergel-Rhythmite beruht auf Schwankungen des Karbonatgehaltes, die ihrerseits begründet sind in der wechselnden Produktivität des karbonatischen Phytoplanktons, das in den oberen 10er Metern der Wassersäule lebte.
Das Alter der in der Lehrter Westmulde aufgeschlossenen Oberkreide-Sedimente liegt zwischen 74 und 82 Millionen Jahren.

 

Literatur:
Fossilien aus dem Campan von Hannover (2005), Arbeitskreis Paläontologie Hannover, 94 S., Hannover.